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Über Stadtteilentwicklung in Zeiten der Digitalisierung diskutierten im Rahmen der Citycom-Gesprächsreihe WeITblick Hans Höllwart (Science Tower Graz), Igo Huber (Citycom), Christian Nußmüller (Stadtbaudirektion Graz) und Markus Pernthaler (Architekt). Die Experten im Wordrap.

Alles smart …

Pernthaler: Für mich bedeutet Smartness in Bezug auf das Planen, die Lebensbedingungen der Menschen auf allen Ebenen zu verbessern und nicht zum Selbstzweck. Das alles unter Berücksichtigung eines nachhaltigen Ressourcenmanagements – wobei ganz wichtig ist, dass Letzteres nicht zum Selbstzweck erfolgt.

Nußmüller: Weltweit gibt es ganz unterschiedliche Interpretationen des Begriffs“ Smart City“. Während in Asien dabei die Technologiekomponente im Mittelpunkt steht, ist es bei uns die Lebensqualität der Menschen, welche die erster Stelle von smarten Stadtteilentwicklungen einniemmt. Eigentlich ist Smart City mittlerweile ein überstrapaziertes Wort. Worum es wirklich geht, ist der vernünftige Ansatz einer interdisziplinären, zukunftsfähigen Stadtentwicklung mit einer Nachhaltigkeitskomponente, unter Einbeziehung möglichst aller Anspruchsgruppen.

Höllwart: Smart Production und Industrie 4.0 sind eine große Chance, wenn man sie richtig nützt. Dann können wir damit die Arbeit nämlich so gestalten, dass auch möglichst viele Menschen beschäftigt werden können. Jedes Individuum soll Platz haben, nicht nur die Hochqualifizierten.

Huber: Was die Infrastruktur für Smart Citys betrifft, braucht es in Zukunft mehrere Netzebenen. In den heutigen Smart Homes läuft das ja alles noch über das gleiche Netz, das wird nicht mehr funktionieren, wenn selbstfahrende Autos unterwegs sind, die sowohl Daten senden als auch empfangen oder im Energiesektor die Dezentralisierung weitergeht.

Christina Nußmüller, Hans Höllwart, Igo Huber und Markus Pernthaler (v.l.) diskutierten im Science Tower Graz über moderne Infrastruktur und Stadtteilentwicklung.

… und nachhaltig?

Höllwart: Wir müssen lernen, die riesigen Ressourcen, die uns die Sonne bietet, besser zu nutzen und so zu verteilen, wie wir sie brauchen. Wir haben in den Regionen die Möglichkeit, all das zu produzieren, was wir brauchen und auch die Menschen hier zu beschäftigen. Der Bauer der Zukunft produziert hochwertige Lebensmittel und Energie und wenn eine gute Vernetzung herrscht, können die Wege zu diesen Produkten auch viel kürzer sein. Man muss die Smart Citys mit den Regionen rundherum verbinden. Es macht keinen Sinn die Produkte quer über den Globus zu transportieren, das ist doch ein Irrsinn.

Pernthaler: Im Programm für das neue Stadtteilzentrum, das wir vor 7 Jahren geschrieben haben, haben wir die Nachhaltigkeit in 4 Themenbereiche geteilt: Ökonomie (was ist leistbar etc.), Ökologie (Energiefragen, Mobilität, …), Soziales (soziale Ausgewogenheit etc.) und Kulturelles (Qualitätssicherung, Nachhaltigkeit). Bei der kulturellen Nachhaltigkeit war uns zum Beispiel wichtig, dass es auch Qualitätssicherungsmaßnahmen gibt. Wie stelle ich sicher, dass das, was am Papier skizziert ist, am Ende auch so umgesetzt wird? Was das betrifft, gibt es sicher noch Potenzial in der Verwaltung. Sobald der Baubescheid ausgestellt ist, gibt es so gut wie keine Qualitätssicherungsmaßnahmen mehr.

Und in Zukunft?

Nußmüller: Eine große Frage der Zukunft wird sein: Wie integriert man moderne Smart-City-Technologien wie Glasfaser in die bereits bebaute Stadtgebiete? Dabei stellt sich natürlich auch die Frage der Finanzierung neuer Infrastrukturen – wollen oder können es sich die BürgerInnen bzw. die öffentliche Hand überhaupt leisten?

Huber: Die Umsetzung kann da durchaus herausfordernd sein. Ich kann eine Glasfaserleitung ja nicht einfach in die Künette eines anderen Leitungsträgers „hineinschmeißen“, das muss alles als eigenes Teilgewerk ausgeschrieben und ausgeführt werden. Das führt unterm Strich dazu, dass die Errichtung außerordentlich teurer wird. Gewisse Strukturen sind über Jahrhunderte gewachsen, bedürfen aber dringend einer Anpassung. Dass eine Straße öffentliches Gut ist, ist selbstverständlich. Mittlerweile ist eine Glasfaserleitung aber eine genauso wichtige Infrastruktur, muss allerdings privat finanziert werden.

Über die Diskussionsteilnehmer:

  • Hans Höllwart ist Bauherr des Science Tower Graz – dem 60 Meter hohen Leuchtturm der Smart City Graz mit wegweisenden grünen Technologien (weltweit einzigartiger Einsatz von Energiegläsern mit Grätzelzellen und Dünnglas etc.)
  • Igo Huber ist Geschäftsführer der Citycom und betreibt ein rund 45.000 Kilometer langes Glasfaser-Netz in Graz, das sukzessive ausgebaut wird.
  • Christian Nußmüller leitet das Referat für EU-Programme und internationale Kooperation in der Stadtbaudirektion Graz und ist dabei schwerpunktmäßig für integrierte/interdisziplinäre Stadt- bzw. Stadt-Umland-Entwicklung zuständig.
  • Markus Pernthaler ist Architekt, Mitinitiator des Science Towers und Intendant für das „Smart City Project“. Weitere Projekte des international renommierten Architekten: Chirurgie Graz, Wilhelminenspital Wien, Messequartier Graz, Helmut List Halle, Flughafen Tower Graz etc.

Fotocredit: Citycom/Lunghammer

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